Eine industrielle Halle mit intensiver orangefarbener Beleuchtung, die durch das Dachfenster fällt und die Umgebung erhellt.
Trotz der großen thermischen Belastung blieb das Brandschutztor geschlossen und begrenzte die Brandausbreitung auf die bereits betroffenen Brandabschnitte. (Quelle: Feuerwehr Otterberg)

Planung | Ausführung 2026-09-14T06:00:00Z Wie organisatorischer Brandschutz die Einsatzführung unterstützt

aus der Beitragsreihe "Brandschutz wirkt!"

Sechs Minuten können im Brandeinsatz über den weiteren Verlauf eines Ereignisses entscheiden. Bei einem Großbrand in einem Produktionsbetrieb für Bodenbeläge im Landkreis Kaiserslautern zeigte sich im Jahr 2020, wie schnell sich eine zunächst unauffällige Lage zu einem Großschadensereignis entwickeln kann. Gleichzeitig verdeutlicht der Einsatz die Bedeutung des Zusammenspiels von anlagentechnischem, baulichem und organisatorischem Brandschutz.

Der Brand wurde durch die automatische Brandmeldeanlage erkannt und die örtliche Feuerwehr mit dem Alarmstichwort „Automatische Feuermeldung – B2“ alarmiert. Bereits während der Anfahrt erhielt die Feuerwehr die Information, dass es im Bereich einer Maschine zu einem Brand gekommen sei und sich keine Personen in Gefahr befänden. Vergleichbare Ereignisse waren den Einsatzkräften aus der Vergangenheit bekannt, sodass zunächst von einem begrenzten Schadensereignis ausgegangen wurde. Beim Eintreffen des ersten Einsatzleiters waren von außen keine Hinweise auf die spätere Dimension des Brandes erkennbar. Während der Erkundung ging bereits ein Trupp zur Brandbekämpfung in das Gebäude vor.

Innerhalb weniger Minuten änderte sich die Situation jedoch grundlegend. Infolge des Brandes versagte eine Materialförderleitung. Das austretende Produkt veränderte das vorhandene Mischungsverhältnis der Brandgase und führte zu einer Verpuffung mit anschließender schlagartiger Brandausbreitung. Zwischen der ersten Rückmeldung des Einsatzleiters, dass der Innenangriff in Vorbereitung ist, und der Meldung, dass der Brandabschnitt nicht mehr zu halten sei, vergingen lediglich sechs Minuten.

Ein Feuerwehrmann bekämpft einen Großbrand mit einem Wasserstrahl von einer Drehleiter aus.
Noch in den Nachtstunden erfolgte die Brandbekämpfung eines vollständig entwickelten Brandes über Wenderohre der Drehleitern. Aufgrund der enormen Brandausbreitung und der starken thermischen Belastung wurden die Löschmaßnahmen überwiegend im Außenangriff durchgeführt. (Quelle: Feuerwehr Otterberg)

Die Einsatzleitung reagierte auf die dynamische Entwicklung mit dem taktischen Rückzug der eingesetzten Kräfte. Im weiteren Verlauf breitete sich das Feuer auf einen angrenzenden Brandabschnitt aus. Zwar war die Brandwand entsprechend den Vorgaben der Industriebaurichtlinie Rheinland-Pfalz über Dach geführt, jedoch führten starke Winde und die intensive Thermik dazu, dass Flammen und heiße Brandgase über die Brandwand hinweggetragen wurden. Die umfassenden Riegelstellungen innerhalb und außerhalb des Brandabschnitts konnten dies nicht verhindern. Das angrenzende Holzsheddach begünstigte die Brandausbreitung zusätzlich, sodass zwei Brandabschnitte vollständig ausbrannten.

Eine weitere Ausbreitung auf zusätzliche Gebäudebereiche konnte jedoch verhindert werden. Maßgeblichen Anteil daran hatten die vorhandenen Brandschutztore. Diese befanden sich während des Brandereignisses in geschlossener Stellung und erfüllten ihre Schutzfunktion wie vorgesehen. Die Tore wurden fachgerecht eingebaut, dokumentiert sowie regelmäßig geprüft und gewartet. Der Brandfall zeigt damit eindrucksvoll, dass die regelmäßige Instandhaltung von Brandschutzabschlüssen einen wesentlichen Beitrag zur Wirksamkeit des baulichen Brandschutzes leisten kann.

Auch die Gebäudekonstruktion beeinflusste den Brandverlauf. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen waren im Dachbereich nicht vorhanden. Die heißen Brandgase verblieben daher über längere Zeit im Gebäude und führten zu einer erheblichen thermischen Beanspruchung der Konstruktion. Die fortschreitende Aufheizung der Bauteile begünstigte den weiteren Brandverlauf.

Ein zerstörtes Gebäude nach einem Brand, mit Feuerwehrleuten, die die Ruine inspizieren.
Die erhaltene Brandwand und das Brandschutztor zeigen nach dem Brand die Wirksamkeit des baulichen Brandschutzes. Das Schutzziel „Ausbreitung von Feuer verhindern“ wurde für die angrenzenden Brandabschnitte erreicht. (Quelle: Feuerwehr Otterberg)

Neben den baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen erwies sich insbesondere der organisatorische Brandschutz als wichtiger Baustein der Einsatzbewältigung. Der Feuerwehr lagen bereits zu Beginn aktuelle Feuerwehrpläne vor. Diese lieferten Informationen über die Lage der Brandabschnitte, den Verlauf der Brandwände, die Standorte von Brandschutztoren und Brandschutztüren sowie die vorhandenen Löschwasserentnahmestellen. Gerade bei weitläufigen Industrieobjekten ermöglichen solche Informationen eine schnelle Orientierung und unterstützen die Priorisierung von Löschmaßnahmen.

Die diesem Beitrag zugrunde liegenden Informationen wurden durch die Feuerwehr Otterberg zur Verfügung gestellt. Der Verfasser war nicht selbst an dem Einsatz beteiligt. Die Bewertung erfolgt aus der Perspektive eines Brandschutzsachverständigen, Berufsfeuerwehrmanns und externen Brandschutzbeauftragten.

Fazit

Der Brandfall verdeutlicht eindrucksvoll, dass die Wirksamkeit des vorbeugenden Brandschutzes häufig erst im Ereignisfall sichtbar wird. Die Brandmeldeanlage sorgte für eine frühzeitige Alarmierung, die Brandabschnittsbildung begrenzte die Ausbreitung zunächst, die Brandschutztore verhinderten eine weitere Ausdehnung des Schadens, und die Feuerwehrpläne lieferten der Einsatzleitung die notwendigen Informationen für eine strukturierte Einsatzführung. Gerade bei dynamischen Industriebränden zeigt sich die Bedeutung eines ganzheitlichen Brandschutzkonzepts aus anlagentechnischen, baulichen und organisatorischen Maßnahmen.

Eingereicht von:
Thorsten Best, M.Eng.
Brandoberinspektor, Berufsfeuerwehr Ludwigshafen am Rhein; Geschäftsführer Brandschutz Best

Der Beitrag ist in Ausgabe 4.2026 des FeuerTrutz Magazins (August 2026) erschienen.

Brandschutz wirkt!

In der öffentlichen Wahrnehmung kommt der vorbeugende Brandschutz oft schlecht weg. Er gilt als Kostentreiber bei Bauprojekten und im Bestand (z. B. bei Schulen) oder wird für Verzögerungen bei Großprojekten verantwortlich gemacht (z. B. Berliner Flughafen). Zudem sorgen Brandschutzvorschriften zuweilen dafür, dass Gebäude nicht wie gewünscht genutzt werden können. Die Berichterstattung in den Publikumsmedien ist leider allzu oft einseitig und zugespitzt.

In der Reihe „Brandschutz wirkt!“ stellen wir daher aktuelle Beispiele bzw. Brandgeschehen vor, bei denen der vorbeugende Brandschutz seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt hat.

Haben Sie auch ein Beispiel, bei dem brandschutztechnische Maßnahmen einen Brand oder dessen Folgen erfolgreich verhindert haben?

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zuletzt editiert am 03. September 2026
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